Kurzberichte über durchgeführte Anlässe
 
  Vereinsjahr 2011 / 2012
zum ganzen Programm
Vereinsjahr 2010 / 2011
 
wann ?

2011:
15. Dez.
24. Nov.
5. Nov.
22. Okt.

was ?


Adventsanlass
Ritterturniere
Der Moderne Bund
GV / Zentrum IMPULS


wann ?

2011:
7. Mai
14. April
31. März
17. März
3. März
3. Febr.
21. Jan.

2010:
9. Dez.
25. Nov.
11. Nov..
23.Okt.
2.Okt.
30.Sept.

was ?


Frühlingsausflug nach Chur
Mein Bahnhof Kempten
Führung im Ortsmuseum
Vulkanismus
Buchdruckermuseum
Industriekultr im ZO
Gesellschaftsabend


Adventsanlass
Picasso-Ausstellung
Unterwasserarchäologie
GV - Vereinsgründung
Hebstausflug Reichenau
Vortrag Reichenau

 
  Wenn Bildergalerien
vorhanden sind,
ist das betreffende
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Vereinsjahar 2011 / 2012
 
 



15. Dezember 2011
Adventsanlass

Advent im Museum

Eigentlich hätte bei dieser Gelegenheit Ruth Affolter den AGW-Mitgliedern vorgestellt werden sollen. Doch die neue Museumsleiterin, die vor wenigen Wochen ihre erste Ausstellung in Wetzikon unter dem Titel „Körpersprache“ eröffnet hat, musste sich kurzfristig entschuldigen lassen. Werner Reimann als Vizepräsident des einladenden Museumsvereins hatte aber einen „Plan B“ zur Hand und befragte unter dem Motto „Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg“ statt der Museumsleiterin den allbekannten Willi Müller als Präsident des neu gegründeten Museumsvereins.

Willi Müller begründete die Wahl des Ausstellungsthemas mit dem reichen Fundus der von der AGW übernommenen Sammlung. Nur etwa die Hälfte der gesammelten Kleider habe ausgestellt werden können. Meist handelt es sich um „schöne“ Erinnerungsstücke aus der Oberschicht, namentlich der Wetziker Fabrikantenfamilie Braschler. Die Alltagskleider der Arbeiter wurden eben getragen, bis sie kaputt gingen und weggeworfen werden mussten, deshalb sind davon nur wenige erhalten geblieben.

In einem zweiten Teil gab Willi Müller einen ersten Einblick in das nächste Projekt, das sich im Zeichen des 125-Jahrjubiläums der AGW den beiden so verschiedenen Gründervätern Messikommer und Flury widmen wird. Man kann gespannt sein auf diese Ausstellung, die wohl Thema des nächsten Adventsanlasses sein wird.

Die ungewohnte Form, nicht einen Referenten mit vorbereitetem Text sprechen zu lassen, sondern in ein Gespräch mit einem Moderator einzubinden, kam bei den wiederum zahlreich erschienenen Gästen gut an. Musikalisch stimmungsvoll umrahmt wurde der Anlass von einem Bläsertrio, das sich ad hoc um Willi Brunschweiler herum gebildet hatte. AGW-Präsident Dieter Hitz leitete dann zum gemütlichen Teil über und las zwei weihnächtliche Texte vor, einen launigen von einem Anonymus aus dem Internet und einen eher zum Nachdenken anregenden aus der Feder „unseres“ Jules Schröder.  (zum Text)

Einmal mehr wurden daraufhin alle aufs Beste verköstigt von den beiden AGW-Feen Barbara Fröhlich und Laetitia Philipp, wobei der traditionelle Weihnachtsstollen aus der Backstube von Elisabeth und Henning Kurth den süssen Abschluss bildete. Auch eine gut überstandene Knieoperation konnte den passionierten Kuchenbäcker Henning nicht bremsen, seinen Beitrag zu einem gelungenen Abend zu leisten.
 

 
 


Peter Jezler

24. November 2011
Ritterturniere, die Formel 1 des Mittelalters
Vortrag von Peter Jezler, Kunsthistoriker

Ein süffiger Titel garantiert noch nicht für einen interessanten Abend. Doch was Peter Jezler dem zum Auftakt der AGW-Saison zahlreich aufmarschierten Publikum bot, war stark. Da hat einer sich intensiv in sein Thema vertieft – und es zudem mit zeitgenössischem Material hervorragend bebildert.

Ritterturniere gab es im franko-flämischen Raum schon ab 1100, im oberdeutschen Raum sind sie ab 1280 belegt. Diese Anlässe dauerten mehrere Tage und umfassten unter anderem auch eine abschliessende „Mummerei“, also einen Maskenball. Das macht auch deutlich, dass solche Turniere mehr waren als nur ein sportliches Messen. Sie waren ein gesellschaftliches Ereignis für die damalige Oberschicht.

Denn an diesen Turnieren beteiligten sich 200 bis 500 Adlige, die mit ihrem Gefolge anreisten. Im 15. Jahrhundert nahmen diese Anlässe die Form eines Massenkampfs an. Auffallend ist dabei, dass die meisten bekannten Ritterspiele an Orten stattfanden, die an Flüssen oder Seen liegen. Jezler geht davon aus, dass der Transport von Ross und Reiter damit vereinfacht wurde – in einer Zeit, in der Auto und Nationalstrassen noch längst nicht erfunden waren.

Schaffhausen war dabei gemäss Jezlers Recherchen eine eigentliche Ritterturnier-Hochburg. Wo genau die Anlässe stattgefunden haben, lässt sich nicht mehr sicher sagen. War es der Fronwaagplatz? Oder der Herrenacker? Der Referent ist als neuer Direktor des Museums zu Allerheiligen daran, eine Ausstellung zum Thema Ritterturniere vorzubereiten und hofft, dabei auch solche Turniere aufführen zu können. Man kann gespannt sein! (WR)
 

 
 


In guten Händen

5. November 2011
Der Moderne Bund
Exkursion nach Luzern ins Kunstmuseum des KKL

Beim „Modernen Bund“

Für die Ausstellung „Der Moderne Bund“ im Kunstmuseum Luzern hatte die AGW ein attraktives Package geschnürt: Besuch der Ausstellung mit Führung, Hin- und Rückreise im Car, von präsidialer Hand gesteuert sowie Einführung unterwegs durch Silvia Volkart.

Frau Volkart wurde durch ihre Dissertation über den Zürcher Kunstsammler und Mäzen Richard Kisling zu einer Spezialistin für die Malerei des „Modernen Bunds“, denn Kisling war der wichtigste Förderer dieser Künstlervereinigung. Diese wurde 1911 von dem in Paris ausgebildeten Hans Arp, dem deutschen Expressionisten Walter Helbig und dem Berner Oscar Lüthi, der einer der wichtigsten Schweizer Kubisten werden sollte, gegründet. Innert weniger Monate realisierte das innovative Dreigestirn bereits eine erste Ausstellung im Speisesaal eines Luzerner Hotels, an der über zwanzig Künstler teilnahmen. Bereits im nächsten Jahr folgte als erster Höhepunkt eine weitere Ausstellung im Zürcher Kunsthaus.

Der „Moderne Bund“ fühlte sich grundsätzlich der Avantgarde zugewandt, verpflichtete seine Mitglieder aber nicht auf einen einheitlichen Stil. Expressionisten waren ebenso vertreten wie Kubisten, Fauvisten und Abstrakte. Arp und Co. entwickelten Marketingaktivitäten, wie sie damals noch nicht üblich waren. – Die wichtigsten Pfeiler ihrer Strategie waren:

- Beizug international arrivierter Künstler wie Gaugin, Matisse, Kandinsky und Picasso.
- Belegen von prominenten Orten wie dem Zürcher Kunsthaus
- Auflegen von verkaufsfördernden Produkten wie Katalogen und
Sammelmappen - Aufbau eines grossen Netzwerkes mit Galeristen, Publizisten und Mäzenen

Nach acht oder neun Ausstellungen – so genau lässt sich das heute nicht mehr feststellen – zerbrach der Bund bereits 1914 wieder. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs dürfte massgeblich dafür verantwortlich sein.

Mit diesem Wissen im Rucksack schauten sich gut 30 AGW-Mitglieder im Kunstmuseum Luzern unter kundiger Führung eine Reihe von Exponaten der Bund-Künstler an. Nach einem atemberaubenden Blick von der Terrasse des KKL und einer anschliessenden Kaffeepause fuhr die Gesellschaft voller Eindrücke auf Landstrassen wieder heimwärts. (WR)
 

 
   
22. Oktober 2011
GV / Zentrum IMPULS

Von der General- zur Mitgliederversammlung

Die diesjährige Generalversammlung der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon (AGW) im IMPULS warf keine hohen Wellen. Sämtliche Geschäfte wurden einstimmig gutgeheissen, der Vorstand mit Dieter Hitz (Präsident), Willi Siegenthaler (Kassier), Elisabeth Meier (Aktuarin), Barbara Fröhlich (Beisitzerin) Werner Reimann (Vizepräsident) wurde ebenso einstimmig in seinen Ämtern bestätigt. Die Mitglieder räumten dem Vorstand ferner das Recht ein, zur Deckung eines allfälligen Defizits bei den Aktivitäten zum anstehenden 125-Jahr-Jubiläum maximal 5000 Franken aus dem Vereinsvermögen entnehmen zu dürfen. Und schliesslich stimmten sie verschiedenen kleineren Statutenänderungen zu. So soll die Generalversammlung in Zukunft Mitgliederversammlung heissen.

Vorgängig zur General- bzw. Mitgliederversammlung hatten Geschäftsführer Roger Büsser – ein aktives AGW-Mitglied – und zwei seiner Angestellten die Interessierten durch die kürzlich eröffnete Zentrumsüberbauung IMPULS geführt, die nach dem Prinzip „Wohnen mit Service“ betrieben wird. (WR)
 

 
 
 
  Vereinsjahar 2010 / 2011
 





7. Mai 2011
Frühlingsausflug nach Chur

Der ursprünglich geplante Frühjahrsausflug zum Schloss Wildegg musste wegen Renovationsarbeiten am Schloss verschoben werden. Anstelle wurde eine Stadtführung in Chur organisiert. Mit Stolz und Freude durfte Dieter Hitz den vollbesetzten Reisecar nach Chur chauffieren. Ein herrliches Wetter bescherte uns der Maientag. Bei angenehmen 26 Grad führten uns die beiden kundigen Stadtführer Marlen Helmi und Fridolin Jakober in je einer Gruppe durch die verwinkelten Gassen der Churer Altstadt. Beginnend am Obertor durch die Obere Gasse zum Arcas Platz erreichten wir die Martinskirche. Leider mussten wir auf die Besichtigung der berühmten Glasfenster von Augusto Giacometti wegen eines Konzertes verzichten. Am oberen Spaniöl vor dem Aufgang zum Bischofsitz, dort wo bis zur Helvetik die Grenze im angespannten, zweigeteilten Chur zwischen der protestantischen Stadt und dem erzkatholischen Bistum war, machten wir kehrt, spazierten durch die Poststrasse am unteren Spaniöl und an vielen interessanten Schauplätzen vorbei zum Fontana Garten. Das Denkmal des Benedikt Fontana am Eingangstor soll an seinen Heldentod im Schwabenkrieg 1499 in der Schlacht an der Calven erinnern.

Zurück in die Altstadt am Geburtshaus der berühmten Malerin Angelika Kaufmann vorbei endete unsere Führung. Insgesamt brachte der Rundgang einen interessanten und ‚gluschtigen’ Überblick über die älteste Stadt der Schweiz und deren bewegte Geschichte und mancher wird angeregt durch die vielen Informationen hier wohl kaum zum letzten Mal gewesen sein!

Im Gasthaus Gansplatz wurde uns ein feiner Zvieri serviert. Pünktlich um sechs Uhr verliessen wir Chur und nach rund einer eineinhalbstündigen Fahrt kehrten wir wohlbehalten und gut gelaunt in Wetzikon zurück. Mit diesem Ausflug beschloss die Antiquarische ihr diesjähriges Programm. (dh)
 

 
 





14. April 2011
Ein Bahnhof als Spielzeugersatz
Erinnerungen von Otto Maurer Fällanden

Unter dem Titel „Mein Bahnhof Kempten“ erinnerte sich der in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Kempten aufgewachsene Otto Maurer bei der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon (AGW) kürzlich an seine Jugendzeit während und kurz nach dem 2. Weltkrieg. Seine ersten Bilder, die dem heute in Fällanden wohnhaften Heimwehkemptner haften geblieben sind, lassen ihn an eine Dampflokomotive denken, die er auf Einladung des Lokführers sogar besteigen durfte.

Später packte Maurer als Knabe in einer Art, die heute kaum mehr möglich wäre, regelmässig auf dem Bahnhof an, der weitaus mehr Güter- als Personenverkehr bewältigen musste. Den Geruch des Kleistertopfs, der gebraucht wurde, um die Frachtbriefe auf die zu transportierenden Güter zu kleben, hat er ebenso wenig vergessen wie denjenigen der geölten Holzböden im Wartsaal.

Normalerweise führten die Personenzüge auf dieser Strecke zwischen Wetzikon und Effretikon nur Wagen der 2. und 3. Klasse. Wenn aber der Kreisdirektor auf Inspektion kam, wurde eigens für ihn auch ein Erstklasswagen angehängt. Der Fahrplan war damals noch weitaus weniger dicht als heute. Dafür hielten einzelne Züge im Sommer auf offenem Feld in Auslikon, damit die Fahrgäste zur Badeanstalt am Pfäffikersee gelangen konnten.

Otto Maurer hat im Archiv Ortsgeschichte Wetzikon einiges an passendem (Bild-) Material gefunden. Unter anderem stiess er bei seinen Recherchen auch auf ein Monatsabonnement, das sein Vater seinerzeit benützt und unterschrieben hatte. „Ich brauchte keine Modelleisenbahn, denn ich hatte ja meinen Bahnhof“, fasste Maurer seine Erinnerungen zusammen. Sie bildeten den Abschluss der diesjährigen Vortragsreihe der AGW. Das Programm für das kommende Winterhalbjahr ist in Vorbereitung.
 

 
 




Es muss nicht immer
Atomkraft sein

31. März 2011
Führung im Museum
mit Willi Müller

„Holz – was ist das?“

Zum dritten Mal– was durchaus nicht beabsichtigt war - wurden die Mitglieder der Antiquarischen von Willi Müller mit dem Thema Holz konfrontiert. Diesmal mit einer Führung im Museum. Manch einer dachte im Vorfeld, was kann Willi Müller vom Holz überhaupt noch Neues und Interessantes bieten? Wenig zahlreich waren erwartungsgemäss die Teilnehmer. Doch die knapp zwei Dutzend Anwesenden wurden für ihr Kommen bestens entschädigt. Nach einem kurzen Resümee über die Vielfältigkeit des Holzes zeigte Willi Müller anhand von Versuchen die Verformbarkeit dieses interessanten Materials. Punktgenau zersprang das Wasserglas, in welches Müller vorgängig einen Buchenholzzapfen hineinsteckte. Dieser hatte sich im Wasser durch die Feuchtigkeit ausgedehnt und das Glas zum Zerspringen gebracht. So etwa benutzten früher die Steinmetze Holz zum Absprengen von Gesteinsblöcken. Ausserdem zeigte er an dünnen Holzstreifen, wie sie sich im feuchten Zustand verformen und verknoten lassen. Einmal mehr mussten die Teilnehmer über Willi Müllers immenses ‚Holz-Wissen’ staunen und er bemerkte dazu trocken, er wüsste noch viel mehr zu erzählen - und man glaubte ihm. Nach seinem kurzen sehr konzentriert gehaltenen Vortrag und anschliessender lebhaften Diskussion wurden die Teilnehmer vom scheidenden Museumsleiter Hans-Kaspar Walder zum gemütlichen Apéro eingeladen. (dh)
 

 
 


Die zwei Fachleute
für das Feuer von unten:
Peter Diethelm, Vulkanologe
und für das Feuer von oben:
Pfr. Heiner Rusterholz
im Gespräch

17. März 2011
Vulkanismus
Vortrag von Peter Diethelm, Biologe, Löhningen

Ein sprühender Vulkan

In weiser Voraussicht hatte die AGW für diesen Abend ausnahmsweise den Grossen Saal im Dreilinden gebucht. Der Vortrag des Vulkanologen Peter Diethelm zog denn auch ein grosses Publikum an, darunter auch manche Nicht-Mitglieder wie auch zwei KZO-Klassen. Sie mussten ihr Kommen keineswegs bereuen, denn der Referent sprühte noch mehr als seine Vulkane, die er seit Jahren beobachtet.

In packenden Bildern erzählte Diethelm, der eigentlich studierter Zoologe ist, von sogenannt roten und grauen Vulkanen rund um die Welt. Ausserdem hatte er eine kleine Ausstellung mit verschiedenen Exponaten aufgebaut, welche die Gäste in der Pause und am Schluss bestaunen konnten. Und weil’s so spannend und interessant war, wurde es so spät wie selten bei einem AGW-Vortrag.
 

 
 


Jeder Bleiklotz ein Buchstabe ...
oder umgekehrt?

3. März 2011

Führung durch das Buchdruckermuseums "Graphos" in Uster

Das Blei, das die Welt veränderte

In Uster ist vor Kurzem ein neues Museum entstanden, das einen Besuch lohnt. Dessen konnten sich zahlreiche AGW-Mitglieder anlässlich einer speziellen Führung versichern.

Als vor wenigen Jahren das Zeughaus Uster aufgelöst wurde, nutzten einige Berufsleute aus dem Druckereigewerbe die Gunst der Stunde, mieteten hier grosszügige Räume und begannen, Zeitzeugen ihrer Branche aufzustellen. Bald sprach es sich herum, die Initianten wurden mit Angeboten überrannt und müssen heute einen Teil des angebotenen Sammelguts ablehnen. So entstand 2009 das Graphos Museum.

Im oberen Stock findet sich eine interessante Übersicht über die Entwicklung der Schrift:

• Die Sumerer entwickelten eine Keilschrift mit 600 verschiedenen Zeichen. • Die Phöniker erfanden als erste ein Alphabet mit 22 Buchstaben – ausnahmslos Konsonanten, es fehlen die Vokale. • Die hebräische Schrift ist gewissermassen stehen geblieben und hat sich über 2000 Jahre hinweg kaum entwickelt. Alte Schriften sind so weiterhin problemlos lesbar. • Die Chinesen kennen rund 40'000 Zeichen. Um eine Zeitung lesen zu können, muss man 2-3'000 davon beherrschen. Die Zeichen haben weiche Formen, weil sie ursprünglich mit einem Pinsel geschrieben wurden. • Ganz anders sieht die griechische Schrift aus, weil diese mit einem Meissel geschrieben wurde. Als erste führten die Griechen neben Gross- auch Kleinbuchstaben ein.

Einfach nutzbar wurden Schriften für längere Texte erst, nachdem die Chinesen vor bald 2000 Jahren das Papier erfanden. Es dauerte allerdings mehr als 1000 Jahre, bis diese Erfindung aus Nordafrika durch die Mauren auch nach Europa (Spanien) gebracht wurde.

Ebenfalls auf der oberen Etage befindet sich der Ausstellungsteil „Handsatz“, durch den der Schriftsetzer Axel Fürst führte. Hier gibt es noch die alten Setzkästen, wie sie die älteren Semester unter den Besuchern noch von ihrer eigenen Schulzeit her in leicht abgewandelter Form kennen. Ein ausgelernter Fachmann kann im Handsatz 1500 Zeichen pro Stunde setzen. Diese Technik steht in der Tradition von Johannes Gutenberg, der sie 1440 in Mainz erfand.

Im unteren Stock geht es mit den Setzmaschinen weiter, die erstmals 1886 verwendet wurden. Das ist das Reich des Maschinensetzers Ewald Feldmann, der unter anderem darauf hinwies, dass dank dieser Erfindung die Stundenleistung auf 7000 Zeichen gesteigert werden konnte. Sobald eine Druckzeile beisammen ist, wird sie in Blei gegossen. Das ist kein sonderlich gesundes Umfeld, wie Ewald Feldmann bestätigte. Als noch mit diesen Setzmaschinen gearbeitet wurde, waren die Maschinensetzer gehalten, viel zu trinken, um die Giftstoffe möglichst schnell wieder aus dem Körper zu schwemmen. Trotzdem hatte Feldmann dauernd Hautausschläge. Ausserdem konnte es in den Sälen sehr heiss werden.

Erst was gesetzt ist, kann gedruckt werden. Hier übernahm der Buchdrucker Felix Brücker die Gäste. Stolz verwies er darauf, dass seine alten Druckmaschinen noch Dinge können, die ein moderner Laserprinter, wie er heute in vielen Privathaushalten steht, nicht kann: Rillen, Stanzen etc. Seine Maschinen sind noch immer toll in Fahrt, auch wenn er weiss: „Irgendwann ist das alles Alteisen. Nichts ist ewig“.

Aber solange sie können, führen die gewieften Fachleute interessierte Laien jeden Alters mit grossem Engagement durch ihr Reich. Und irgendwo hängt an einer Wand ein kleiner, bemerkenswerter Leitsatz: „Mehr als das Blei aus der Flinte hat das Blei im Setzkasten die Welt verändert.“ (WR)
 

 
 


Der Referent:
Dr. Hans-Peter Bärtschi

3. Februar 2011
Industriekultur im Zürcher Oberland
Vortrag von Dr. Hans-Peter Bärtschi, Winterthur

Vor zahlreichem Publikum, darunter vielen Gästen, hielt der Architekt und Wirtschaftshistoriker Dr. Hans-Peter Bärtschi aus Winterthur einen Vortrag zur Geschichte der Industrialisierung im Zürcher Oberland. Bärtschi befasst sich seit der Gründung seines Instituts „Arias-Industriekultur“ im Jahr 1979 mit der Erhaltung alter Industrieanlagen. Ziel des Vereins ist es, interessante Objekte vor dem Abbruch zu schützen, zu dokumentieren und sie der Nachwelt zu erhalten.

Mit interessanten Bildern und Fotos führte Bärtschi auf eine interessante Zeitreise durch die Industriegeschichte unserer Region. Dabei beschränkte er sich auf drei wichtige Schauplätze.

Angefangen in Stäfa am Zürichsee, dort wurden die ersten Fabrikationsbetriebe angesiedelt. 1455 eröffnete in der Farb in Stäfa, dem heutigen Ortsmuseum, die erste Färberei. Sie galt als Vorläuferin der Industrialisierung. In Heimarbeit gefertigte Garne und Stoffe wurden dort gefärbt und nach Zürich geschifft. Das 18. Jh. war die Blütezeit der Heimarbeit. 1787 lebten gemäss einer Volkszählung im Kanton Zürich 34’000 Familien vom Spinnen und 6’000 Familien vom Weben.

1810 entstand in Stäfa die erste ländliche mechanische Baumwollspinnerei. Damit begann die industrielle Revolution, in der zahlreiche Heimarbeiterfamilien ihre Existenz verloren und gezwungen wurden in Fabriken zu arbeiten. Weil hier am See keine geeigneten Fliessgewässer zur Ausnützung der Wasserkraft vorhanden waren, wurden die mechanischen Webstühle mittels Dampfturbinen angetrieben. Die Kohle dazu kam von Käpfnach/Horgen. Die Lage am See war ideal für den Transport der Güter nach Zürich.

Ende des 19.Jh. hatte Stäfa zwei Eisenbahnlinien, und zwar die dem See entlang führende Nordostbahn und die von Adolf Guyer-Zeller erbaute Uerikon-Bauma-Bahn (UeBB). Guyer-Zeller erhoffte sich damit eine Anbindung seiner Fabrik im Neuthal an die internationale Transitverbindung, die von London, quer durch Europa über den Balkan bis nach Indien führen sollte.

Der nächste Schauplatz war Uster. Am Aabach, dem Millionenbach, wie er auch genannt wurde, entstanden im 19. Jh. zahlreiche Spinnerei- und Webereifabriken. Unter den Fabrikanten sei hier v. a. Heinrich Kunz zu erwähnen. Er war mit Abstand die schillerndste Figur in jeder Beziehung. Als Spinnerkönig herrschte er uneingeschränkt über ein gigantisches Fabrikenimperium im Inn- und Ausland. In der Schweiz hatte er Fabriken in Linthal, Wetzikon, Aathal, Uster, Kemptthal, Adliswil und in Windisch (Theodor Marty berichtete an seinem Vortrag am 30. März 2006 bereits darüber).

Die Trümplerfabrik erlangte ungewollte Berühmtheit durch den Brand von Uster 1832. Die Hungersnot 1817 und die zunehmende Industrialisierung führten zur Verarmung der Landbevölkerung, was schliesslich im Volksaufstand und in der Zerstörung der Fabrik in Uster endete.

Wer weiss noch, dass in Uster einstmals eine der grössten Autofabriken war, grösser als die damaligen Fordwerke in den USA. Zwischen 1907 und 1912 wurden hier Luxusautos und Lastwagen der Marke „Turicum“ gebaut. Uster hatte eines der ersten Elektrizitätswerke der Schweiz. Ein Gaskraftwerk lieferte Gleichstrom für die Beleuchtung der Stadt und die Eisenbahn. Das Gebäude konnte erhalten werden und beherbergt heute den Musik Container.

Hans-Peter Bärtschi zeigte sich besonders stolz darüber, dass es gelungen war, die alte Lokremise in Uster, ein besonders wertvolles Bijou industrieller Kultur, zu retten. Auch bei der Realisierung des Industrielehrpfades entlang dem Aabach von Uster via Wetzikon bis Bäretswil war er massgeblich beteiligt.

Nun kam Bärtschi auf das Tösstal zu sprechen. In Neuthal befindet sich ein intaktes Industrieensemble, das in den 1960er Jahren stillgelegt wurde. Es war die Fabrik des Spinners Johann Rudolf Guyer. Der Kanton Zürich konnte die Anlage für 1 Mio Franken erwerben, eine Anlage, die bis auf das gesprengte Hochkamin noch unversehrt geblieben ist. Der Verein zur Erhaltung alter Handwerks- und Industrieanlagen VEHI hat darin das einzigartige Spinnerei-Museum Neuthal eingerichtet. Gut erhalten ist ebenfalls die Seiltransmissionsanlage (Turbinenturm und Drahtseilantrieb). Johann Rudolf Guyers berühmter Sohn Adolf Guyer-Zeller war der Erbauer der Jungfraubahn und der bereits erwähnten Uerikon-Bauma-Bahn UeBB, deren beide Eröffnungen er allerdings nicht mehr erleben durfte. Die UeBB wurde 1969 stillgelegt, später vom Dampfbahnverein Zürcher Oberland DVZO symbolisch für „einen Franken“ übernommen und ist heute eine besondere Attraktion im Zürcher Oberland.

Den Abschluss machten Bilder verschiedener stillgelegter Industrieanlagen aus dem Tösstal. Auf dem speziell angelegten Wasserlehrpfad können die gut erhaltenen Wasserkanäle mit dem heute noch im Betrieb stehenden Aquädukt in Kollbrunn und die Eisenkonstruktion vieler Brücken bewundert werden.

Nach seinen eindrücklichen Ausführungen machte Hans-Peter Bärtschi auf sein Buch „Industriekultur im Kanton Zürich„ aufmerksam, das 2009 im Rotpunktverlag erschienen ist und verweist ausserdem auf die Website der Schweizerische Gesellschaft für Technikgeschichte und Industriekultur SGTI www.industriekultur.ch, deren Geschäftsleiter er ist. (dh)
 

 
 


Aus Farbmusik: Rot

21. Januar 2011
Gesellschaftsanlass
Schöpfer, Schöpfung und Geschöpfe

Der diesjährige Gesellschaftsabend im IWAZ stand unter dem Motto „Schöpfer, Schöpfung und Geschöpfe“. – Jules Schröder, bis vor kurzem noch AGW-Vorstandsmitglied, goss seine Betrachtungen über Gott und die Welt in gekonnte Verse und trug sie mit grosser Überzeugung vor. Der Musiker Hans-Peter Krüsi wob dazu einen feinen, stimmigen Klangteppich auf dem Klavier. Die beiden verstanden es offensichtlich, die zahlreiche Gästeschar zum eigenen Reflektieren über das Thema des Abends zu bewegen. Nach den Vorträgen entstanden so Momente des Schweigens, in denen alle noch ihren Gedanken über das eben Gehörte nachzugehen schienen. Dann hob wieder ein fröhliches Geplauder an, das ja auch zu einem Gesellschaftsabend gehört. Und Gastgeber Rainer Huber verwöhnte mit seiner rührigen Crew mit einem köstlichen Abendmahl. Ausgesucht hatten das Menu die Vorstandsmitglieder Elisabeth Meyer und Willi Siegenthaler, die den Abend perfekt vorbereitet hatten.

Zu den Bildern und Gedichten
 

 
 


Mit Holz lässt sich
auch Musik machen

9.Dezember 2010
Holziges
Adventsanlass im Museum

Ums Holz drehte sich (fast) alles beim Adventsanlass im Museum. Willi Müller, ein „Holzwurm“ sondergleichen, sinnierte über den ersten Stoff, der es den Menschen erlaubte, Wärme zu erzeugen. Die verschiedensten Redewendungen, in denen Holz oder Bäume vorkommen, trug er in seiner launigen Ansprache zusammen und erinnerte so daran, wie allgegenwärtig dieses Naturprodukt in unserem Alltag ist. Willi Müller, gelernter Bauschreiner und Innenarchitekt, hat auch die sehenswerte Ausstellung im Museum konzipiert, die ebenfalls dem Holz gewidmet ist.

Holzig – aber nicht hölzern - ging es auch musikalisch zu. Markus Bieri (Grüt) blies auf seiner Panflöte verschiedene bekannte und auch weniger bekannte Weisen und entlockte seinem Instrument einen warmen Ton.

Bäumig war dann, was die AGW-Feen Barbara Fröhlich und Laetitia Philipp ihren Gästen auftischten. Und die Weihnachtsstollen von Elisabeth und Henning Kurth liessen die Bäume vollends in den Himmel wachsen.
 

 
 


Der junge Picasso

25. November 1010
Besuch der Picasso-Ausstellung im Kunsthaus Zürich
mit Führung

Am Donnerstagabend 25. November 2010 trafen sich 52 AGW-Mitglieder (erfreulich viele) im Kunsthaus Zürich zu einer Führung anlässlich der Picasso-Ausstellung. Dieser ersten Picasso-Retrospektive widmet das Kunsthaus zur Feier seines hundertjährigen Bestehens eine glanzvolle Hommage. Die von Picasso selbst kuratierte Ausstellung wurde im Jahre 1932 von September bis November im Kunsthaus Zürich gezeigt.

In drei Gruppen aufgeteilt, unter der kundigen Führung von Kunsthistorikerinnen, konnten wir die gut 70 Werke des Künstlers betrachten und deren Bedeutung kennenlernen. Auch wurden wir mit einer aussergewöhnlichen Persönlichkeit vertraut gemacht, aus dessen Intuitionen diese Bilder entstanden sind.

Picassos künstlerische Laufbahn begann schon sehr früh, er war erst 9 Jahre alt! Nach seiner gegenständlichen Periode, im Wettstreit mit seinen Künstlerkollegen und unter dem Einfluss afrikanischer Kunst, begann der Meister sich mit der surrealistischen Malerei zu befassen. Auffallend viele seiner Werke sind sehr farbig, in verschiedenen Techniken und grossflächig gemalt. Aber auch sehr fein und eindrücklich ausgearbeitete kleinere Kunstwerke verdienen die Aufmerksamkeit des Betrachters, zumal diese Bilder in der Ausstellung erstmals wieder zu sehen sind.

Schlusskommentar einer Teilnehmerin aus der AGW-Gruppe: „Es war grossartig bei Picasso!“

EM
 

 
 


Der Taucher
im andern Element

11. November 1010
Tauchgang in die Vergangenheit
Vortrag von Dr. Ulrich Ruoff, Zürich

Die Untersuchung eines Dorfes aus der Spätbronzezeit im Greifensee

Der Unterwasser-Archäologe Dr. Ulrich Ruoff hat bei seinen ersten Grabungen auf dem Grund des Zürichsees am Utoquai entdeckt, wie die Pfahlbauer lebten. Im Verlaufe der Zeit hat er in weiteren Seen nach Siedlungsstellen untersucht, so auch im Greifensee. Anfänglich war sein grösstes Problem der Schlamm. Kaum war man am Seegrund am Wühlen, schon fand man sich von einer trüben Wolke umhüllt und sah nichts mehr, so begann Ulrich Ruoff seinen Vortrag.

Systematische Unterwasserarchäologie war in den 60er Jahren in unseren Seen noch völlig unbekannt. Ulrich Ruoff, als junger Archäologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Denkmalpflege der Stadt Zürich, wollte nicht so recht glauben, worüber Hobbytaucher von ihren Erkundungen aus dem Zürcher Seebecken berichteten: Pfähle fänden sich zuhauf, auch Scherben, Töpfe und Schmuckgegenstände. Sie luden Ruoff ein, um sich davon ein Bild zu machen. Er tauchte ein – und entdeckte eine vor Jahrtausenden untergegangene Welt, deren Spuren sich im feuchten Milieu bestens erhalten hatten. Zu Beginn aber machte ihm das trübe Wasser wie gesagt Schwierigkeiten.

Dieses Problem löste er dank einer genialen, technischen Innovation, die es erlaubte, den Seeboden systematisch abzusuchen, ohne dass der leicht aufzuwirbelnde Seekreidesand ständig die Sicht verdeckte. «Wir haben einiges ausprobiert», erinnert sich Ruoff. Die Lösung bot schliesslich ein mit kleinen Löchern ausgestattetes Rohr, durch welches Wasser mit hohem Druck gepresst wurde. Damit liessen sich die aufgewirbelten Sedimente in eine gewünschte Richtung lenken – und eine Seite blieb frei zum Arbeiten. Diese Technik fand europaweit Anwendung.

Ein weiteres Hindernis war die Kälte. Unterwassergrabungen sind wegen der Trübung des Wassers durch Algen im Sommer nur im Winter möglich. Bei Wassertemperaturen, die kaum über dem Gefrierpunkt liegen, konnten die Archäologen mit den damaligen Anzügen nur kurze Zeit arbeiten. Die Entwicklung moderner, wasserdichter Neoprenanzüge machte das systematische Arbeiten erst recht möglich.

Methodisch war das Unterwasser-Arbeiten gleich wie an Land, sagte Ruoff. «Wir legten Schicht um Schicht frei und jeder Fund wurde exakt dokumentiert.» So entdeckten sie Spuren einer untergegangenen Gesellschaft, die mit Unterbrüchen während mehrerer Jahrtausende von der Jungsteinzeit bis in die Bronzezeit (4500 bis 850 v. Chr.) an den Ufern unserer Seen gesiedelt hatte. Die Pfahlbausiedlungen gehören heute zu den bestuntersuchten neolithischen Siedlungen der Welt.

«Wir können die Zeitachse über viele Jahrhunderte sehr genau rekonstruieren. Und wir wissen, was die Menschen gegessen haben oder welche Kleidung sie trugen», erklärte Ruoff. Dieses Wissen wäre ohne die Arbeit der Unterwasserarchäologen nie so weit gediehen. Dank der Dendrochronologie, die Datierung von Jahrringen bei Bäumen, erlaubt es uns, das Alter der Holzpfähle exakt bis aufs Jahr genau zu bestimmen. So wurde beispielsweise die Siedlung am Greifensee mit Holz von Bäumen, die 1047 v. Chr. gefällt wurden, erbaut. Anhand der Funde konnten auch Rückschlüsse über die Bauweise der Hütten gemacht werden. Ruoff meint, dass wir entgegen unserer heutigen verbreiteten Meinung annehmen dürfen, dass diese Wohnsiedlungen effektiv im Wasser standen.

Die Stadtarchäologie Zürich, die als eine der ganz wenigen Fachstellen Europas eine eigene Tauchequipe für Unterwassergrabungen betreibt, beantragt zusammen mit weiteren Seeufersiedlungen im ganzen Alpenraum die Anerkennung dieser prähistorischen Fundorte unter Wasser zur Aufnahme in die Liste des Unesco Kulturerbes. Nebenbei erwähnt hat Ulrich Ruoff letztes Jahr den europäischen Preis für das archäologische Erbe erhalten. (D.H.)
 

 
 


Mein Herz schlägt immer noch
für die AGW

23. Oktober 2010
Generalversammlung
Wegweisende Entscheidungen

An der GV der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon folgten die zahlreich erschienenen Mitglieder am 23. Oktober im Restaurant IWAZ praktisch oppositionslos den Anträgen ihres Vorstands. Sie machten insbesondere den Weg frei für eine zukunftsträchtige Lösung zum Betrieb des Museums: Die AGW verzichtet auf die Uebernahme der Trägerschaft des Museums, so dass der im Anschluss an die GV gleichenorts neu gegründete Museumsverein diese Aufgabe übernehmen und einen entsprechenden Leistungsvertrag mit der Gemeinde aushandeln kann. Mehr noch: Damit der neue Verein von Anfang an voll aktionsfähig ist, beschlossen die Mitglieder, die Sammlung samt Museumsvermögen dem Museumsverein zu schenken.

Die aus dem Vorstand zurückgetretenen Jules Schröder und Hans-Kaspar Walder wurden mit Dank und Applaus verabschiedet. Die übrigen Vorstandsmitglieder stellten sich zur Wiederwahl und wurden einstimmig bestätigt. (WR)
 

 
 


Rückblick
auf einen glücklichen Ausflug

2. Oktober 2010
Herbstausflug zur Insel Reichenau
organisiert von Dr. Kurt Locher, Grüuuml;uuml;uuml;t

Kurz vor 8 Uhr verliessen wir Wetzikon. Die Reise führte uns im Heusser Car mit dem Präsidenten am Lenkrad zur Insel Reichenau. Kurt Locher hatte diesen Ausflug organisiert und zuvor im Hotel Drei Linden in einem Referat und dann während der Fahrt die nötigen Erläuterungen zur monastischen Geschichte und zu den wertvollen Kunstschätzen von Reichenau abgegeben.

Bei einem kurzen Stopp in Salenstein wurde uns ein prächtiger Blick über die gesamte Insel Reichenau, die heute eigentlich eine Halbinsel ist, geboten. Im Bildungszentrum Arenenberg gab’s Kaffee und Gipfeli und man genoss weiterhin die herrliche Aussicht über den Untersee.

Von hier aus war der Weg nach Reichenau nicht mehr weit.

Am Eingang zur Insel begrüsste uns Bischof Pirmin. Aufrecht stehend auf dem Sockel blickt seine Statue mit befremdender Miene auf die Heerscharen motorisierter Touristen herab, die täglich an ihm vorbeisausen, er, der 724 einst als Wanderbischof dieses wilde, unberührte Eiland zum ersten Mal betrat, um da eine Kirche zu errichten. Im Hotel Inselhof in Mittelzell nahmen wir unser Mittagessen ein, bevor es am Nachmittag auf die Führung im Münster St. Maria und Markus ging. Bei schönstem Herbstwetter und milder Temperatur – ein Föhntag wie im Bilderbuch – hatte man nach dem reichhaltigen Mittagsmahl genügend Zeit für einen Spaziergang zum See und durch die klösterliche Gartenanlage. Kurt Locher hatte den Zeitplan sehr gut bemessen.

Unter kundiger Führung des Kirchenmesmers Manfred Müller wurde uns ein interessanter, sehr beeindruckender Blick ins Münster und in die Schatzkammer geboten, der Höhepunkt unserer Reise. An diesem Ort begründete 724 der heilige Bischof Pirmin das Kloster Mittelzell mit einem bescheidenen Holzkirchlein. Abt Haito liess eine Basilika auf Kreuzgrundriss erbauen, welche 816 zu Ehren der Gottesmutter Maria geweiht wurde. Bemerkenswert sind die vielen Rundbögen im Innern der Kirche mit den schwarz-weissen, quadratischen Abschlüssen, ein häufig verwendetes Ornament während der karolingischen Zeit, die damals stark vom byzantinischen Einfluss geprägt war. Heito war denn auch kurz vor dem Umbau von einer längeren Reise nach Konstantinopel zurückgekehrt.

Das Klosterleben der Benediktiner Mönche in Reichenau war nur von kurzer Dauer. Während dieser Blütezeit war Reichenau ein wichtiges Zentrum des christlichen Abendlandes. Nicht unbedeutend, dass sich hier in dieser Kirche die Ruhestätte Karls III., des Dicken, ein Enkel Karls des Grossen, befindet. Speziell erwähnenswert ist, dass Reichenau zu jener Zeit ein bedeutendes Zentrum der mitteleuropäischen, klösterlichen Sternkunde war, wie Locher uns in seinem Einführungsreferat zuvor erklärt hatte.

Schon ab dem 11. Jh. verlor allerdings der Klosterstandort Reichenau an Bedeutung. Im 15. Jh. lebten hier gerade mal noch zwei Mönche. 1803 wurde mit der Säkularisierung das Kloster aufgehoben. Seit 2001 leben wieder Benediktiner Mönche auf der Insel. Sie möchten das Klosterleben erneut aufblühen lassen.

Auf der Heimreise machten wir einen kurzen Zwischenhalt in Oberzell, um die Kirche St. Georg zu besichtigen. Sie ist berühmt durch ihre Wandmalereien und wird jährlich von Tausenden von Touristen besucht. Die Wandbilder entstanden um das Jahr 1000 und wurden sorgfältig restauriert. Sie gehören- wie übrigens die ganze Insel - zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Bilder stellen Szenen aus dem Leben Jesu dar.

Auf einer gemütlichen Heimfahrt entlang des Untersees bis Stein am Rhein, durchs Zürcher Weinland und Tösstal führt uns Chauffeur Dieter Hitz zurück ins Z&ürcher Oberland. Mit einer wunderbaren Abendstimmung, einem rot erleuchteten Alpenpanorama wurden wir auf der Anhöhe von Russikon im schönen Zürcher Oberland willkommen geheissen.
 

 
 


Dr. Kurt Locher
macht uns mit (s)einem
Juwel vertraut

30. September 2010
Reichenau
vorbereitender Vortrag im Hinblick auf den Herbstausflug
von Dr. Kurt Locher

Bericht zum Ausflug siehe 2. Oktober 2010