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| Kurzberichte über durchgeführte Anlässe | ||||||||||||||||||||||||||
| Vereinsjahr 2008 / 2009 | Vereinsjahr 2009 / 2010 | Programm | ||||||||||||||||||||||||
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wann ? 11. Okt. 2008 18.Okt 6. Nov. 20.Nov. 11. Dez. 23. Jan. 2009 29. Jan. 5. März. 19. März. 2. April 9. Mai |
was ? Herbstausflug Veterinärmuseum Inschriften Jakob Messikommer Adventsanlass Gesellschaftsabend Minister Jean Hotz Alte Familiennamen Züritüütsch Führung im Museum Frühjahrsausflug |
wann ? 24. Okt. 2009 12. Nov. 26. Nov. 10. Dez. 22. Jan. 2010 4. Febr. 25. Febr. 18. März 8. April 8. Mai |
was ? GV - Besichtigung IWAZ Schweizergeschichte Alte Mühlen Adventsanlass Gesellschaftsanlass Holz, was ist das? Münzen und Moneten Evolution Der Kalte Krieg Frühjahrsausflug |
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![]() Nicht nur das Zürcher Oberland ist schön |
11. Oktober 2008 Vergessene Wege - Landschaften, Geschichte, Kulturgüter Herbstreise ins Domleschg Dreiunddreissig Antiquarinnen und Antiquare besuchten das Domleschg, die Mittlere Albula und Vaz/Obervaz. Präsident Dieter Hitz amtete als Veranstalter, Car Chauffeur und Reiseführer - und als gewiefter Kommentator, nachdem uns Lehrer Christian Schmöller aus Muldein in kernigem Bündner Deutsch seine geschichtsträchtige Heimat anschaulich geschildert hatte. Die Terrassen über den versumpften Talböden des Rheines waren schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Rhätien sei Etruskerland gewesen als die Römer vor 2000 Jahren die uralten Passübergänge sicherten. Nach den Römern kamen die Germanen, Merowinger und vor allem die Karolinger - Alle haben sie Spuren hinterlassen, linksrheinisch die herbeigerufenen, alemannischen Valser (Heinzerberg), rechtsrheinisch die älteren, romanischen Domleschger. Bis ins 12. Jh. sicherten eingewanderte Herren aus Schwaben den lebenswichtigen Handelsweg in den Süden. Das Domleschg wurde damit eine der Burgen- und Schlösser- reichsten Täler. Fürstenau, einst Sommerresidenz des Bischofs von Chur war das Zentrum der Germanisierung. Unweit von Tiefencastel finden wir in versteckter Lage die älteste Zeugin aus karolingischer Zeit - die Dreiapsiden Kirche St. Peter von Mistail. Auch die frühromanischen Fresken ( 8. Jh) verweisen auf den grossen Einfluss, die das oströmische Byzanz auf die bischöfliche Curia hatte. Dass Graubünden immer wieder östlichen Impulsen ausgesetzt war, bezeugen die dauernden Konflikte mit den Habsburgern. Sie kulminierten in den "Bündner Wirren" des Dreissigjährigen Krieges (1618 -48). Das Schloss Ortenstein und das benachbarte Scharans sind historisch verbunden durch das persönliche Drama zwischen dem evangelischen Dorfpfarrer Jürg Jenatsch dem katholischen Schlossbesitzer von Planta. Die österreichisch gesinnten Planta hatten an den Protestanten Massaker im Veltlin mitgewirkt. Jenatsch war an der Ermordung dieses Adligen beteiligt. Er stürzte sich in das blutige Ränkespiel des erfolgreichen Freiheitskämpfers. Jenatschs Ermordung 18 Jahre später wurde nie geklärt, aber dem Ortensteiner von Planta angelastet. Dass Habsburg noch lange eine treibende Kraft im Bündnerland blieb, belegt das Schloss Rhäzuns. Vor 800 Jahren als Burg eines der mächtigsten Bündner Feudalgeschlechter erbaut, kam es in Besitz des österreichischen Kaiserhauses. Und das blieb so bis 1815. Das imposante Felsenschloss ist heute Privatbesitz des Pfarrersohnes Christoph Blocher. Er führt die grösste Bündner Industrie Anlage, die Domath-Ems Chemie, in gewinnbringender Koexistenz mit der holzverarbeitenden Firma nebenan - und diese ist in österreichischem Besitz! Der Einbruch der hochmittelalterlichen Blüte an der Albula erstmals durch die Eröffnung der Schöllenen Schlucht am Gotthard. Fatal wurde es als mit dem Tunnel und Bahnverkehr der Alpentransit über die Bünderpässe ein zweites Mal für lange Zeit bedeutungslos wurde. "Unsere Region verarmte, entvölkerte sich, ihre ohnehin problematischen Strassenverbindungen verkümmerten und der aufblühende Tourismus etablierte sich anderswo", schloss Schnöller seine interessanten Ausführungen. Die Mittagsrast auf dem Plateau von Alveneu Dorf zeigte uns, dass mittlerweile viele Gäste die Bergwelt am Albula wieder entdeckt haben. Unter einem strahlenden "Segantini" Himmel bot sich einer wachsenden Zahl von Ferienhäuschen ein begeisterndes Panorama auf Gipfel und Täler rund um die Albula. Der Eindruck einer Ferienlandschaft steigert sich nochmals auf der Südabdachung der Vazer Gemeinden. Das vielfältig ausgestattete Heimatmuseum von Zorten spiegelt das gewerbliche und künstlerische Schaffen einheimischer Kultur - erzählt auch von den Bemühungen den Anschluss an die Welt von heute zu finden. Diese streiften wir auf der Weiterfahrt - Lenzerheide, Valbella. Im Abendrot glänzten einladende Hoteltafeln, Ferienstimmung für Bummler, parkähnliche Wäldchen um den stillen See - "aber der Wagen, der rollt"! Und zwar bis zur Gaststätte am Kerenzer Berg. Hier zeigte sich nochmals, dass die AGW auch einer kulinarisch unterlegten Geselligkeit zugetan ist. (R.M.) |
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![]() Der Humanmediziner hört auf den Veterninär |
18. Oktober 2008 Die Antiquaren besuchen das veterinärmedizinische Museum Der Besuch der Antiquarischen Gesellschaft im Museum des Zürcher Tierspitals fand grossen Anklang. Kurator Dr. Urs Jenny hat das Sammelgut 20 Jahre lang zusammengetragen, erarbeitet und im Dachgeschoss des Diagnostikzentrums ein kleines, aber sehr interessantes, attraktives Museum aufgebaut. Der ehemalige Oberassistent am Tierspital und langjährige Grosstierpraktiker aus Horgen erzählte, wie sich vormals Hirten, Bauern, Kutscher und Hufschmiede um die Pflege erkrankter und verunfallter Tiere kümmerten. 1762 wurde in Lyon die erste Tierarzneischule gegründet. In zweijährigen Kursen lernten die Absolventen ihr Handwerk. Besonders nachhaltig waren die anatomischen Kenntnisse der Abdecker und die blutigen Erfahrungen der Scharfrichter: Sie wurden als kompetente Berater auch in der Schweiz geschätzt. Nachdem 1806 Bern die erste tiermedizinische Schule der Schweiz eröffnet hatte, folgte Zürich 1820 im Hause des Scharfrichters in Wiedikon. Sie musste aber bald in grössere Räumlichkeit in die Selnau umziehen. Im Zuge der wissenschaftlichen Entfaltung wandelte sich das Berufsbild des Tierarztes. 1902 wurde die Veterinärmedizin als 5. Fakultät der Universität Zürich angegliedert. Hervorragende Lehrer und Forscher wie etwa Professor Johann Heinrich Hirzel aus Wetzikon festigten ihren Ruf. Hirzel erhielt am 29. April 1904 als erster Veterinärprofessor der Schweiz die Ehrendoktorwürde. Ein Portrait von ihm ist im Museum ausgestellt. Gross war das Publikumsinteresse am Rundgang durchs Museum. Mehr als ein Dutzend Schautafeln, Vitrinen mit vielfältigem Instrumentarium und originaler Dokumentation führten zu lebhaftem Gedankenaustausch der Besucher. Leicht gruselige Heiterkeit erregte das lebensgrosse Phantom einer Kuh, wo die angehenden Tierdoktoren ihr geburtshilfliches Können üben durften. Als weiteres Kuriosum waren die beiden Standesattribute des Oberst Hermann Schwyter (1878 -1960), Instruktor der Hufschmiede und Oberpferdearzt der Armee, ausgestellt. Beim Operieren von Nutztieren aus der Landwirtschaft trug er eine schwarze Melone. Stand jedoch das Pferd im Dienst der Kavallerie, setzte sich Herr Oberst seine goldgestreifte Dienstmütze aufs Haupt. Eine herausragende Rolle in der Erforschung von Tierseuchen spielte das Mikroskop. "Es war ein Glücksfall, dass der Nachlass eines Sammlers historischer Mikroskope in unserem Museum eine Bleibe gefunden hat", erzählte Jenny. Mehr als hundert Exponate hat der am Tierspital Zürich angestellte Graphiker und Hobby-Optiker Albert Mahler aufgestöbert. Chronologisch aufgereiht präsentieren sie sich; darunter zwei Repliken des Holländers Anton van Leeuwenhoeck. Als Erfinder des Mikroskops hat er 1690 als erster die Amöben und Pantoffeltierchen in einem Wassertropfen gesehen. Dann kamen im l8. Jahrhundert die taschengrossen Reisemikroskope der englischen Forschungsreisenden, wie sie etwas Darwin benutzte und schliesslich bewundert man die ersten Stereo-Vergrösserungsinstrumente des 19. Jahrhunderts. In angeregter Stimmung folgte im Anschluss daran die Jahresversammlung der Antiquarischen Gesellschaft im Restaurant Neubühl in Zürich. Präsident Dieter Hitz würdigte das durchgehende Interesse am vergangenen Jahresprogramm und die Zusammenarbeit im Vorstand. Im kommenden 122. Vereinsjahr werde das Schwergewicht auf Heimatkundlichem liegen. Dazu passend, so Kurator Hans Kaspar Walder, sei das neue Ausstellungsthema: "Entdecken, Festhalten - Blick durch die Linse". Die Eröffnung findet am 16.November statt. Zum Schluss verdankt Paula Lauber den unermüdlichen Einsatz des umtriebigen Präsidenten Dieter Hitz zum Wohl und Gedeihen der Gesellschaft, die aktuell 208 Mitgliedern zählt. Entsprechend ausgelassen war die abschliessende Runde bei Kaffee und Kuchen. (R.M.) |
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![]() Judith Brunner vom Atelier 2B, Wetzikon beim Restaurieren am "Rössli" Robenhausen |
6. November 2008 Inschriften als Zeichen politischer Emanzipation Ein Referat des Forschers Peter Surbeck Als Zeichen der politischen Emanzipation der Landbewohner gegenüber der vorherrschenden Stadt Zürich wertete Peter Surbeck in seinem Vortrag vor der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon die Inschriften an Bauernhäusern im Zürcher Oberland. Und dies, obwohl manche dieser Kurztexte vordergründig einen religiösen Inhalt zu haben scheinen. Der Autor eines vierbändigen Standardwerks hat 530 Inschriften analysiert, bevor er zu diesem Schluss kam. Bezeichnend für Surbecks These ist etwa der Spruch „Gott allein die Ehr – und sonsten niemand mehr“. Neben dem Wortlaut der Inschriften sprächen auch zeitliche und bauliche Aspekte für diese Annahme, führte der frühere Ustermer Sekundarlehrer weiter aus. Die ersten Inschriften mit entsprechendem Inhalt stammen nämlich aus der Zeit der Aufklärung, die letzten von 1830, als im Gefolge des Ustertags die Zürcher Landschaft gegenüber der Stadt Zürich die Gleichberechtigung erlangte. Auch fällt auf, dass solche Inschriften praktisch nur auf Häusern der bäuerlichen Oberschicht vorkommen, nicht aber auf den Flarzhäusern der ärmlichen Bevölkerung, die sich damals nicht zu wehren wusste. Offensichtlich wurden diese Inschriften oft von Leuten angebracht, die selber nicht oder nur begrenzt schreiben konnten, denn die Buchstaben sind häufig eher zusammenhanglos ohne Abstand zwischen den einzelnen Wörtern aneinandergereiht – oder im schlimmsten Fall sogar verkehrt herum geschrieben. Normalerweise wurden diese Kurztexte auf Balken des Dachgestühls und nicht etwa auf dem Hausputz angebracht. Surbeck geht davon aus, dass die Schrift dabei noch am Boden aufgetragen wurde, bevor die Balken aufs Dach kamen. Mit diesem gut besuchten Vortrag eröffnete die „Antiquarische“ ihre diesjährige Saison. Bereits am 20. November folgt im Restaurant Drei Linden in Wetzikon die nächste Veranstaltung, die dem Oberländer Forscher Jakob Messikommer gewidmet ist. |
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![]() Jakob Messikommer (sitzend zwischen zwei Kindern) freut sich über einen seiner zahlreichen Funde. |
20. November 2008 Auf den Spuren Jakob Messikommers Ein Referat von Robert Widmer und ein Film von Arthur Stocker Angefangen hat alles, als Robert Widmer, seit 30 Jahren im Wetziker Ortsteil Robenhausen wohnhaft, auf Spurensuche zum Restaurant Rössli ging, das sich damals gerade im Umbau befand. Wohnheimleiter Widmer wusste nämlich, dass das "Rössli" seinerzeit eine Station für die sogenannte Naturalverpflegung gewesen war, bei welcher Mittellose gratis verköstigt wurden. Auf seiner Suche stiess er auf die Chronik des Oberländer Forschers Jakob Messikommer. Da dieser seine Notizen ab 1891 in einer heute nur noch schwer lesbaren Schrift aufzeichnete, entschloss sich Widmer kurzerhand zu einer Reinschrift der Chronik auf seinem PC. Von diesen Abschreibarbeiten und was ihm dabei aufgefallen ist, berichtete Widmer kürzlich vor der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon und schloss so gewissermassen einen Kreis. Denn Messikommer selbst war damals die treibende Kraft zur Gründung einer Wetziker Sektion der Antiquarischen Gesellschaft Zürich gewesen. Deren Protokolle zog der Referent wiederum bei, um Passagen aus der Chronik zu überprüfen. Dass Messikommer von Beruf Landwirt war, wird aus einer Analyse des Inhalts der beiden ersten Jahrgänge der Chronik deutlich. Der Grossteil der Eintragungen dreht sich nämlich um die Witterung, die Natur und die Landwirtschaft. Daneben kommen aber auch lokale, nationale und sogar ausländische Ereignisse zur Sprache. Erst diese beiden ersten Jahre aus dem Werk Jakob Messikommers, der für seine Forschungsarbeiten, namentlich seine Ausgrabungen, 1893 die Würde eines Ehrendoktors der Universität Zürich verliehen erhielt, hat Widmer bereits im Detail bearbeitet. Die folgenden Jahre hat er aber bereits zur Kenntnis genommen und dabei festgestellt, dass sich der Charakter der Chronik im Lauf der Zeit verändert. Je länger, desto mehr fügte Messikommer seinen Texten auch Zeichnungen oder sogar Fotos bei. Informationen zum "Rössli" hat Widmer in der Chronik bisher nicht gefunden. Nur in den Protokollen der "Antiquarischen" ist einmal davon die Rede, dass die Teilnehmer an einer Ausgrabung sich nach dem Eindunkeln in eben diesem Lokal zur Labungsrunde versammelten. Widmers kurzweilige Erläuterungen wurden treffend ergänzt durch einen Film, den Arthur Stocker (Grüt) kürzlich über Jakob Messikommer gedreht hat und in dem er verschiedene Fachleute zu Wort kommen lässt. Es wurde deutlich, dass Fundstücke des Oberländer Hobbyforschers den Weg in Museen in ganz Europa und sogar übersee gefunden haben. Messikommer hatte viele seiner Exponate verkauft, um damit weitere Ausgrabungen finanzieren zu können. |
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![]() Wo könnte es gemütlicher sein als bei der AGW?! |
11. Dezember 2008 Adventsanlass Märchen und märchenhafter Stollen Es hat sich in den letzten Jahren herumgesprochen, dass der Adventsanlass der „Antiquarischen“ jeweils zu einem besonders geselligen Treffen der Mitglieder wird, der stets musisch untermalt ist. Entsprechend gross war der Zulauf, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dicht gedrängt im „Schulzimmer“ des Wetziker Museums sassen oder sogar standen. Für die Muse sorgte dieses Mal die Grüninger Märchenerzählerin Lydia Urner, die drei Geschichten aus unterschiedlichen Weltgegenden zum Besten gab und mit grossem Applaus verabschiedet wurde. Zudem verlas Präsident Dieter Hitz ein launiges Gedicht des verhinderten Jules Schröder, gewissermassen eine Jahresbilanz in Versen. Dann verteilte sich männiglich und weibiglich auf die verschiedenen Räume, wo schon Tranksame und Häppchen bereit gestellt waren. Und zum krönenden Abschluss wurde der längst zur Tradition gewordene Weihnachtsstollen aus dem Hause Kurth gereicht. |
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Auge, Ohr und Gaumen wetteifern um den höheren Genuss |
23.Januar 2009 Gesellschaftsabend Hackbrett statt Hackfleisch Wiederum eine grosse Schar von gutgelaunten Mitgliedern fand sich zum traditionellen Gesellschaftsabend im IWAZ-Saal ein. Nach einem Stehapèro, der rege dazu benützt wurde, sich gegenseitig zu begrüssen und geeignete Tischpartner für das anschliessende Nachtessen zu akquirieren, wurde von der aufmerksamen IWAZ-Brigade ein vorzüglich mundender Dreigänger serviert. Zwischendurch richtete Präsident Dieter Hitz sein Wort an die Gäste mit einem internationalen Jahresrück- und vorausblick. Der ganze Abend wurde musikalisch stimmungsvoll umrahmt durch das einheimische Trio mit Susi Pfister (Hackbrett und Schwyzerörgeli), Heinz Pfister (Schwyzerörgeli) und Fritz Bolliger (Bass). |
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Antiquar und Historiker |
29.Januar 2009 Minister Jean Hotz Ein gewiefter Verhandlungsführer in schwierigen Zeiten Dr. René Bondt referierte über den Näniker Jean Hotz, der 1935-1954 Direktor der Handelsabteilung der Bundesverwaltung war Sein Leben lang war Dr. René Bondt journalistisch tätig, unter anderem als Inlandredaktor des ZO. Jetzt, nach seiner Pensionierung, widmet sich der studierte Historiker einem etwas in Vergessenheit geratenen Chefbeamten des Bundes mit Zürcher Oberländer Wurzeln, der nicht zuletzt während des 2. Weltkriegs eine wichtige Rolle spielte: Jean Hotz. über den aktuellen Stand seiner Studien, die ihn kürzlich auch nach Berlin führten, berichtete Bondt bei der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon. Bondt zeichnete das Bild eines intelligenten Bauernsohnes aus Nänikon, der sich schon in jungen Jahren eine in der damaligen Zeit nicht selbstverständliche Weltläufigkeit erwarb. Einen Teil seiner Studien absolvierte Volkswirt Hotz in London. Und kurz nach dem ersten Weltkrieg reiste er zusammen mit einem Kollegen fast neun Monate durch die USA. Bereits 1922 kam Hotz dank seines Kontaktes zum nachmaligen Bundesrat Ernst Wetter, den er während der gemeinsamen Zeit als Lehrer an der Zürcher Handelsschule kennengelernt hatte, in die Handelsabteilung der Bundesverwaltung nach Bern. 13 Jahre später wurde er deren Direktor. Als im 2. Weltkrieg die Importe und Exporte der Schweiz durch die Blockade der Alliierten und die Gegenblockade von Deutschland und Italien bedroht waren, suchte die Schweiz mit Handelsverträgen einen Weg aus dem Abseits. Die gemäss Bondt "überlebenswichtigen Verhandlungen" in Berlin leitete Jean Hotz zusammen mit dem damaligen Vorort-Direktor Heinrich Homberger, mit dem er - so der Hotz-Forscher - "ideal harmonierte". Die Verhandlungen verliefen für die Schweiz erfolgreich und brachten Jean Hotz viel Ehre ein. Unter anderem wurde er 1954 zum Ehrenbürger von Uster ernannt und erhielt in Nänikon ein von Emilio Stanzani geschaffenes Denkmal. Bei seiner leicht vorzeitigen Pensionierung 1954 wurde Direktor Hotz vom ehemaligen Bundesrat Walther Stampfli, der eine Zeit lang sein Vorgesetzter gewesen war, als "ruhender Pol" gewürdigt, der in seiner langen Amtszeit trotz verschiedenen Wechseln in der Departementsleitung für Kontinuität gesorgt habe. René Bondt ist auch den Aktivitäten des Näniker Chefbeamten nach dessen Pensionierung nachgegangen. Er sass in den Verwaltungsräten verschiedener grosser Schweizer Firmen wie Chocolat Tobler, Sulzer und Sandoz, nahm aber auf das Geschehen dieser Unternehmen kaum Einfluss. Privat sei Jean Hotz zwar ein gefürchteter Jasser, aber nicht sonderlich gesellig gewesen, ergänzte der Referent. Hotz verheiratete sich schon in jungen Jahren mit der aus gutem Waadtländer Haus stammenden Marguerite Imbach, mit der er allerdings eine "Marriage à distance" geführt habe. Als er beruflich in Bern wirkte und auch dort wohnte, lebte sie zusammen mit den beiden gemeinsamen Kindern wieder in ihrem Elternhaus in Morges. Und nach seiner Pensionierung kehrte er allein nach Zürich zurück. Bondt hofft, seine Studien bis Ende Jahr abschliessen und danach in Buchform herausgeben zu können. |
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![]() Ein entspannter Referent |
5. März 2009 Alte Familiennamen zwischen Bachtel, Stoffel und Schnebelhorn Vortrag von Pfr. Armin Sierszyn, Bäretswil Zwar habe er nicht gerade einen typisch hiesigen Familiennamen, so begann Pfarrer Sierszyn seinen Vortrag zum Thema über alte Familiengeschlechter rund um den Bachtel, aber trotzdem sei er ein echter Zürcher Oberländer, ein Bauernsohn aus Bettwil. Sein Vater stammte ursprünglich aus Polen und kam im zweiten Weltkrieg als Internierter nach Girenbad. In Bettswil fand er eine Anstellung bei Beck Meier. Dort lernte er seine spätere Ehefrau kennen und führte mit ihr einen Landwirtschaftsbetrieb. Armin Sierszyn besuchte die Kantonsschule in Wetzikon und studierte Theologie in Erlangen. Viele Jahre amtete er als Pfarrer in Bauma. Schon früh interessierten ihn geschichtliche und heimatkundliche Themen. Seine Grossmutter habe ihm, so erwähnte er, jeweils am Abend allerlei Spannendes übers Zürcher Oberland erzählt, über Landschaften und Flurnamen, von Familien- und Dorfgeschichten. So erklärt sich, dass Sierszyn die Täuferbewegung zu seinem Dissertationsthema machte. Später begann er über die Herkunft der Familiennamen im Zürcher Oberland zu forschen. Im Auftrag der Gemeinde Bäretswil verfasste er das Buch "66 Familiennamen seit 700 Jahren". Wie kamen die Menschen zu ihren Namen? Vor dem 13. Jh. - so berichtete Sierszyn - nannte man die Leute nur beim Rufnamen, wie etwa Berolf, Adaloit, Waltpolt, Waltprecht oder Egiwolf. In der einfachen Bevölkerung gab es keine fixen Familiennamen, je nachdem woher sie stammten oder was sie taten, gab man ihnen einen Namen. Oft wurde dieser auch willkürlich gewechselt. Erst mit den regelmässigen Eintragungen von Taufe, Konfirmation, Heirat und Tod in die Kirchenjahrbücher wurde die Grundlage für die Zuordnung der Vor- und Familiennamen geschaffen. Die Herkunft der Familiennamen ist anhand von vier Kriterien erkennbar: 1. nach dem Wohnsitz oder der Herkunft, wie etwa Dürsteler, Brandenberger, Wolfensberger, Güttinger, Krauer (vom Kapf), Furrer (von Furwange), Fenner (vom Gfenn). 2. Rufnamen wurden zu Familiennamen, wie z. B. aus Bosso entstand Bosshard, aus Rüdiger Rüegg, aus Konrad wurde Kunz oder Künzli und aus Egiwolf entstand Egli. 3. nach Beruf, Amt oder Stand, wie Senn, Schmid, Schärer (Arzt), Müller, Pfenniger, Knecht, Wirt, Weber, Schuler (von Schulmeister) 4. aus Spitz- oder übernamen, wie Wild, Grimm, Gnehm, Rebsamen, Scheuchzer, Höhn. Sierszyn untersuchte im Weiteren, wo die verschiedenen Familiennamen rund um den Bachtel ihren Ursprung hatten und wie sie sich im Zürcher Oberland ausbreiteten. Von den typischsten Oberländer Geschlechtern zeigte er dies anhand von Landkartenskizzen. So stammen die "Rüegg" aus Bauma. Ursprünglich hiessen sie Rüdiger, dann Rüedger und schliesslich Rüegger oder Rüegg. Im 15. und 16. Jh. siedelten ihre Nachkommen in die nähere Umgebung und ein Jahrhundert später breiteten sie sich allmählich über das ganze Kantonsgebiet aus. Kägis stammen aus Fischenthal, wo sie erstmals 1427 urkundlich Erwähnung finden, als ein Konrad Kägi vom Kloster Rüti ein Widum - ein Pfarrgut - als besondere Auszeichnung erhalten hatte. "Spörris", der Name stammt von Spor, dem Sporenmacher, waren schon vor 1500 in Fischenthal, Wappenswil und Adetswil ansässig. Furrers kommen aus Fuorwange und Hasel bei Hittnau. Sie breiteten sich vornehmlich im Tösstal, aber auch ins Zürcher Oberland und bis an den Zürichsee aus. Der Name "Kündig" ist erstmals 1433 in Allewil oberhalb Bauma erwähnt und Dieners lebten ursprünglich im Fuchsloch bei Fischenthal. Es kam auch vor, dass die Namen geändert wurden, um daraus einen Vorteil zu gewinnen. So machte es beispielsweise eine Familie Hess aus Wald, welche im Wolfensberg bei Bauma eine Burg erbauen liess, als sie in den niederen Adelsstand aufstieg, und sich fortan Wolfensberger nannte. Der Vortrag zeigte deutlich, mit welcher Leidenschaft und Akribie Pfarrer Armin Sierszyn die Forschung der Familiennamen im Tösstal und im Zürcher Oberland seit Jahren betreibt. Mit grossem Interesse verfolgten die 35 Anwesenden seine Ausführungen und dementsprechend angeregt waren die anschliessende Diskussion und der Applaus. (D.H.) |
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![]() Frau Renate Egli-Wildi |
19. März 2009 Allerlei übers Züritüütsch Vortrag von Renate Egli-Wildi Küsnacht Wer im Glauben war, Züritüütsch sei eine einheitliche Mundart, wurde bald eines Besseren belehrt. Sind die regionalen Unterschiede auch klein, es gibt sie. Renate Egli-Wildi, ausgebildete Primar- und Sekundarlehrerin zeigte anhand einer Karte die 7 geographisch bedingten Mundarten: Weinland, Unterland, Winterthur, ämtler, Stadt, Zürisee, Oberland. Frau Egli, gebürtige Aargauerin, in Winterthur aufgewachsen und seit vielen Jahren in Küsnacht lebend, weiss wovon sie spricht. Und sie tat dies spannend und mit grossem Engagement: Der Mundart, manchmal gelobt, manchmal verachtet wurde vor hundert Jahren der Untergang prophezeit. Doch 1938 wurde sie als Teil der geistigen Landesverteidigung gefördert, sie stützte das Selbstbewusstsein der Bevölkerung. In diese Zeit fällt auch die Gründung des Vereins Schweizerdeutsch. Wellenartig wechselt im Verlauf von Jahrzehnten, natürlich mit je einschlägigen Begründungen, der Gebrauch von Hochsprache und Mundart Und das betrifft, ausgenommen den Verkehr mit den ämtern, fast alle Bereiche des täglichen Lebens, insbesondere die Schule. Erinnert sei an die aktuelle Situation im Kindergarten bzw. an der Grundstufe. Aufhorchen lässt der Abbau im grammatikalischen Unterricht, wo man sich heute mit der Unterscheidung von Substantiv, Verb und Adjektiv begnügt. Zurück zur Mundart: Das Zürichdeutsche ist sehr anfällig für Nivellierung, Nuancen gehen verloren z.B. Ross/Pferd, aber auch alte Worte und Ausdrücke. Frau Egli machte diesen Wandel der Sprache an zwei kleinen Beispielen aus dem Zürcher Oberland deutlich: Die Geschichte von Jakob Senn (1824-1879) enthielt viele Ausdrücke, die uns Zuhörern zuerst erklärt werden mussten, damit der Inhalt verständlich war. Anders bei den Mundart Gedichten und Geschichten der Oberländerin Barbara Egli (1918-2005) die in den siebziger und frühen achtziger Jahren entstanden sind. Hier sei noch die Anmerkung gestattet, dass sich nicht jeder Ausdruck geographisch einordnen lässt. Heute ist unsere Mundart von vielen Anglizismen durchdrungen z.B. cool, shoppen. Die Mundart als Spiegel des Volkscharakters darf aber nicht aufgegeben werden! Sogar die EU wünscht kein einebnen der Kulturunterschiede. Im Anschluss an einen intensiven Deutschkurs, den Frau Egli einer norddeutschen Privat-Schülerin gab, entstand "Ein nicht allzu stacheliger Mundartlehrgang", der nun in gedruckter Form vorliegt (2007). Anhand des "Stammbaums vo s Zürchers" der über 3 Generationen reicht, werden alle Lebensbereiche abgedeckt. Er enthält grammatische Abschnitte, Mundarttexte, Wichtiges aus unserem reichen Wortschatz sowie den Satzbau in Sinnzusammenhängen. Aus diesem interessant gestalteten Band las die Autorin abschliessend und zum grossen Genuss der Zuhörer einige Kostproben. (U.R.) |
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2. April 2009 Führung im Museum Wetzikon Ein Pausenplätzchen, viele Fotos und eine Bruchlandung Was für ein Glück: Am ersten warmen Frühlingsabend stand der Besuch der AGW-Mitglieder in "ihrem" Museum auf dem Programm. So liess sich der von den beiden Feen Barbara Fröhlich und Laetitia Philipp bestens vorbereitete Apéro auf dem neu errichteten Plätzchen hinter dem Haus zur Einstimmung in den abwechslungsreichen Abend richtig geniessen. Danach ging's in drei Gruppen durch die sehenswerte Ausstellung. Sie ist der Fotografie gewidmet. Anlass dazu gab die erfreuliche Tatsache, dass bei dem jährlich vom Europarat veranstalteten internationalen Fotowettbewerb für Jugendliche zum Thema "Denkmal" vor zwei Jahren mit dem damals elfjährigen Lukas Andreas Fischer auch ein Wetziker zum Sieger gekürt wurde. Die beiden Denkmalpflegerinnen Claudia Fischer und Eva Zangger stellen nun die Werke des jungen Wetziker Fotografen zusammen mit einer Auswahl anderer Arbeiten von Jugendlichen aus verschiedenen Ländern im Museum aus. Im Sinne einer Ausweitung des Themas haben die beiden Ausstellungsmacherinnen zusätzlich vier Objekte aus jedem Wetziker Quartier fotografisch festgehalten. Sie bedienen sich dabei einer extensiven Definition von "Denkmal", der es zulässt, beispielsweise auch die Robenhauser Hochhäuser zum Denkmal zu erheben. Im Rahmen der Führung erläuterten die beiden initiativen Frauen ihre überlegungen. Abgerundet wird die Ausstellung durch den Nachbau einer Camera Obscura, der Urform der Fotokamera, den der unverwüstliche Willi Müller in geduldiger Fronarbeit realisiert hat. Er stellte sein Werk und die Hintergründe gleich selbst vor, und die Besucher konnten feststellen: Es funktioniert! Ungeachtet der aktuellen Ausstellung läuft die Sammlungstätigkeit des Museums ständig weiter. Museumsleiter Hans-Kaspar Walder gab einen Einblick anhand von drei völlig verschiedenen Objekten. So gehört zu den Schätzen des Wetziker Museums eine französische übersetzung des Korans von 1734, von der niemand weiss, wie sie hierhin gelangt ist - und was sie hier soll. Bewusst angekauft wurde hingegen ein Silberpokal von 1912, der einst dem Oberländer Forscher Jakob Messikommer gehörte. Und drittens erbte das Museum den Nachlass des umtriebigen Unterwetzikers Ernst Brandenberger, der unter anderem Connections zur US-Navy besass und die Reichsbrücke in Wien verschob und dafür mit der Verdienstmedaille der Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Sie gehört ebenso zu den gelagerten Exponaten wie sein Motor-Flugbuch, das mit einer Bruchlandung endet. |
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![]() Digitataluhr im Enrée |
9. Mai 2009 Frühjahrsausflug Zeugen der Vergangenheit: Besichtigung Sammlungszentrum des Landesmuseums und Kloster Kappel Trotz Schweinegrippe wagte sich die Antiquarische für ihren Frühlingsausflug ins Säuliamt. Erstes Ziel war das Sammlungszentrum des Landesmuseums in Affoltern am Albis, das seit gut vier Jahren in den Räumen des nach der Armeereform nicht mehr gebrauchten neuen Zeughauses untergebracht ist. Auf der Fläche zweier Fussballfelder können hier bis zu 820'000 Objekte gelagert werden. Die Digitaluhr im Entrée zählt die Minuten seit der Eröffnung des Gebäudes durch Bundesrat Pascal Couchepin und ist so zu einem ebenso sinnigen Symbol für den Lauf der Zeit und deren Vergänglichkeit geworden wie der Rost an den Fassaden. Die Führung mit Frau A. Zeier und Herrn B.A. Schüle gab einen vertieften Einblick in den Fundus und die sorgfältige Art, wie hier mit den Objekten umgegangen wird. Sei es die Stickstoffdusche, die dafür sorgt, dass Schädlinge in angelieferten Möbelstücken nicht mehr weiter ihr Unwesen treiben können, seien es spezielle Verpackungen und Lagerungsformen für Kleider, Uniformhüte, Lanzen und anderes mehr. Alle Räume sind optimal vollklimatisiert. Die rund 50 Mitarbeitenden kümmern sich nicht nur um eine sachgerechte Lagerung und Katalogisierung, sondern auch um Restaurierung und Konservierung. Ein grosses Fotostudio stellt sicher, dass alle Exponate fachgerecht abgebildet werden, bevor sie versorgt werden. Als Kontrastprogramm folgte daraufhin die Besichtigung des ehemaligen Zisterzienserklosters Kappel am Albis. AGW-Mitglied Jules Schröder hatte als Hochbauinspektor des Kantons Zürich seinerzeit die Gesamtverantwortung über die Renovationsarbeiten an diesem schmucken gotischen Bau und war speziell an der Erneuerung der farbigen Bleiglasfenster aktiv mitbeteiligt. Er konnte deshalb bei seiner Führung aus dem Vollen schöpfen und manche Anekdote einflechten. Nach einem Zvieri mit Blick in die schöne Landschaft der ländlich gebliebenen Umgebung und einem durch das aufziehende Gewitter beschleunigten Aufbruch ging es präsidial chauffiert im Bus wieder heimwärts. |
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![]() Ein Eindruck von der Grundstimmung in der AGW |
24. Oktober 2009 Führung durch das IWAZ mit dem Leiter Fritz Bächi und GV Elisabeth Meyer-Lattmann neue Aktuarin der "Antiquarischen" Als Nachfolgerin für die nach acht Jahren zurückgetretene Ursula Rusterholz (Wetzikon) wurde an der gut besuchten Generalversammlung vom 24. Oktober 2009 im Restaurant IWAZ Elisabeth Meyer-Lattmann (Gossau) zur neuen Aktuarin gewählt. Alle übrigen Vorstandsmitglieder wurden mit Applaus bestätigt. Auch die anderen Geschäfte konnten oppositionslos verabschiedet werden. Vorgängig zur GV hatten die Mitglieder der AGW Gelegenheit, an einer interessanten Führung durchs IWAZ teilzunehmen. Sie zeigten sich beeindruckt von den Leistungen, welche diese Institution und alle, die hier arbeiten, erbringen. (WR) |
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Helvetischer Reigen auf einer Postkarte um 1900 |
12. November 2009 Gründungszeit ohne Eidgenossen Vortrag von Prof. Roger Sablonier Schweizer Gründung ohne Eidgenossen Mit einem prominenten Referenten eröffnete die Antiquarische Gesellschaft Wetzikon ihre diesjährige Vortragssaison. Roger Sablonier, bis vor drei Jahren Professor für Geschichte des Mittelalters an der Universität Zürich, sprach unter dem provokanten Titel "Gründungszeit ohne Eidgenossen" zu den Anfängen der Schweiz. Seine Ausführungen stützten sich auf seine im gleichnamigen Buch veröffentlichten Forschungsergebnisse. Grundsätzlich sind aus der fraglichen Zeit nur wenige schriftliche Quellen erhalten geblieben. Umso mehr rankten sich im Verlauf der Zeit um die wahren Ereignisse Geschichten, die gemäss Sablonier insbesondere im ausgehenden 19. Jahrhundert mit liberalen überzeugungen von ursprünglicher Freiheit und Demokratie sowie politisch wirksamen Vorstellungen von Widerstand und Unabhängigkeit verflochten wurden. Bereits am Donnerstag, 26. November folgt um 20.00 im Mehrzweckraum des Restaurants Drei Linden in Wetzikon der nächste Vortrag zum Thema "Wasser und Brot - wie die erste wasserbetriebene Mühle nach Westeuropa kam". (wr) |
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![]() Pfr. Ruedi Jöhl und Jürg Walser |
26. November 2009 Wie die Wassermühle nach Europa kam Text von Jürg Walser Vorgetragen von Pfr. Ruedi Jöhl Während eines Aufenthalts in der Höhenklinik Wald hat der heute in Seegräben wohnhafte Basellandschäftler Müllerssohn Jürg Walser der Frage nachgespürt, wie die ersten wasserbetriebenen Mühlen nach Europa gekommen sind. Das Ergebnis dieser Studien trug der Seegräbner Dorfpfarrer Ruedi Jöhl der interessierten Zuhörerschaft der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon unter dem Titel "Wasser und Brot" vor. Gemäss Walsers Recherchen wurde das von Wasserkraft angetriebene Drehen von Mühlsteinen im 4. Jahrhundert v. Chr. in Mesopotamien erfunden. Auch König Mithridates VI, der Herrscher über das Königreich Pontos, das damals wohl einflussreichste Königreich Kleinasiens, betrieb in seiner Residenz eine Wassermühle. Als er sich mit den Römern anlegte und diese bis nach Pontos vorstiessen, entdeckten sie hier auch die für sie neue Technik und brachten sie im 1. Jahrhundert v. Chr. nach Europa. Besonders viel zur weiteren Verbreitung der Wassermühlen unternahm der Architekt und Ingenieur Vitruvius unter Kaiser Augustus. Mehreres behinderte damals die schnelle Innovation: Sklaven waren billig und wurden anstelle der Wasserkraft für das Betreiben der Mühlen eingesetzt. Die technische Errungenschaft liess sich ohne gedruckte Zeichnungen nur schwer verbreiten. Und schliesslich mangelte es in südlichen Gegenden oft auch an Fliessgewässern mit genügend konstanter Wasserführung. Wie epochemachend die Erfindung aber war, zeigt sich daran, dass das Prinzip der Wassermühle bis zur Erfindung der Dampfmaschine weitgehend unverändert Bestand hatte. In der Schweiz ist bekannt, dass 180 n. Chr. in Hagedorn bei Cham ZG eine erste Wassermühle ihren Betrieb aufnahm. Mühlenforscher Jürg Walser, der auch massgeblich an der Restauration der Aumühle in Stallikon beteiligt war, stand dem interessierten Publikum für ergänzende Fragen zur Verfügung. Der Abend wurde umrahmt durch Vorträge der beiden Zither-Spieler Rosmarie und Xaver Fuchs (Uerzlikon). Das Stück "Die Mühle im Schwarzwald" durfte dabei nicht fehlen. |
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![]() Lydia Urner eine begnadete Erzählerin |
10. Dezember 2009 Adventsanlass mit der Märchenerzählerin Lydia Urner, Grüningen Eine Preisträgerin zu Gast - und der Gemeindepräsi Erneut hatte die "Antiquarische" an ihrer Chlausfeier Lydia Urner zu Gast. Seit ihrem letzten Besuch ist die Märchenerzählerin stolze Besitzerin des Gertrud-Hempel-Erzählerpreises geworden, einem schweren, goldenen Ring mit blauem Stein. Einmal mehr verzauberte die heute in Grüningen wohnhafte Märchensammlerin die zahlreiche Zuhörerschaft mit ihren Geschichten. Feen gibt es nicht nur in Märchen, sondern auch bei der AGW. Sie heissen Laetitia Philipp, Barbara Fröhlich und Lilly Schweighauser und waren dafür verantwortlich, dass niemand hungrig oder durstig den Heimweg antreten musste und alle beim geselligen Beisammensein noch etwas sitzen blieben. Vizepräsident Werner Reimann, der den mit seiner Gattin ins ferne Australien verreiste Präsidenten Dieter Hitz vertrat, durfte unter den Gästen auch Gemeindepräsident Urs Fischer und dessen Partnerin Edith Kofler begrüssen. |
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![]() Dödi Frey und Curdin Janett |
22. Januar 2010 Geselschaftsabend Mit Moritaten zur Wetziker Bahnhofstrasse Moritaten und Maispoularde Es hat sich der schöne Brauch eingespielt, dass beim Gesellschaftsabend nicht nur gegessen und geplaudert wird, sondern dass man sich auch kulturell erlabt. Dieses Mal war der Wetziker Gymilehrer Dr. Hermann Bitzer an der Reihe, der vor wenigen Jahren eine ganze Reihe von Schauergeschichten, sog. Moritaten, zusammengetragen hat, die allesamt an der Wetziker Bahnhofstrasse spielen. Dorothea Frey, ebenfalls ein Eigengewächs, servierte singend sechs Moritaten als pfiffige Erzählerin, wunderbar zurückhaltend und sanft unterstützt vom Akkordeonisten Curdin Janett, einem Mitglied der Engadiner Formation "Ils Fränzlis da Tschlin". Auf den Teller kam unter anderem eine saftige Maispoularde, und der Abend verflog an den Achtertischen bei Rekordbeteiligung im Nu. Präsident Dieter Hitz, eben erst mit seinem Trudi von einer Reise nach "Down Under" zurückgekehrt, konnte sich wohlig zurücklehnen. Elisabeth Meyer und Willi Siegenthaler hatten in seiner Abwesenheit alles bestens vorbereitet, und die rührige Crew des IWAZ tat das Ihrige dazu. |
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![]() Was ist das? Holz. |
4. Februar 2010 Holz, was ist das? Vortrag von Willi Müller Holzzeit ist immer Es gebe zwar rund 40'000 holzerzeugende Pflanzen, aber ein Schreiner kenne normalerweise nur 20-25 Holzarten, spannte der gelernte Bauschreiner Willi Müller den Bogen bei seinem Vortrag „Holz – was ist das?“ bei der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon. Müller, lange Jahre als selbständiger Innenarchitekt tätig, entwickelte vor dem gebannt zuhörenden Publikum eine Kulturgeschichte des Holzes, von der ersten Nutzung zum Feuer machen bis hin zu den Möbeln des französischen Jugendstils, die nicht als Einzelobjekte verstanden wurden, sondern als Elemente einer gezielten Raumgestaltung. Es habe zwar eine Steinzeit oder eine Eisenzeit gegeben, nie aber eine Holzzeit, führte der Referent zur Unvergänglichkeit dieses Werkstoffes aus, „denn Holzzeit ist immer“. – Im Ortsmuseum Wetzikon ist unterdessen eine ebenfalls von Willi Müller gestaltete Ausstellung zum Thema Holz mit einer Reihe von speziellen Aktivitäten und Events eröffnet worden. |
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![]() Philipp II. von Mazedonien 359 - 336 v.Chr. |
25. Februar 2010 Ein Streifzug durch die Geschichte des Geldes Vortrag von Dr. Ruedi Kunzmann Ueber Münzen und Moneten Zur Geschichte des Geldes hielt Dr. Ruedi Kunzmann, Tierarzt und leidenschaftlicher Münzensammler, einen interessanten Vortrag vor einem aufmerksamen Publikum. Als Präsident des Numismatischen Vereins Zürich und als Redaktionsmitglied der Schweizer Münzblätter verfügt er über ein breites Wissen auf dem Gebiet der Numismatik. Einst wurde der Handel als reines Tauschgeschäft abgewickelt: Ware gegen Ware, Tiere, Felle gegen Nahrungsmittel, etc. Auch Schmuckgegenstände wurden als Zahlungsmittel verwendet. Die Einführung des monetären Zahlungssystems erfolgte im südlichen Balkan und Kleinasien. Der Obol oder Obolus genannt, war eine der ersten Münzen des antiken Griechenlands. Er hatte anfänglich die Form eines kleinen Metallspiesses und wurde erst später rund und mit einer Abbildung versehen. Infolge seines geringen Geldwerts war er eine Münze für den Alltag. Der reiche König Krösus von Lydien, der im Besitze von grossen Goldvorkommnissen war, prägte um 550 v. Chr. die Elektronmünze, eine in Gold und Silber legierte Münze mit seinem Emblem, dem Stier und dem Löwen. Philipp II. von Mazedonien, der Vater Alexanders des Grossen liess auf dem Höhepunkt seiner Macht zwischen 359 bis 336 v. Chr. eine wertvolle Goldmünze prägen, den Goldstater. Die Vorderseite zeigt die Abbildung seines Kopfes und auf der Rückseite einen Streitwagen mit Pferden. Im römischen Reich unter Julius Caesar wurde der Denar zur ersten Weltwährung erkoren. Natürlich liess auch Caesar, wie alle seine Nachfolger Roms, die Münze mit seinem Abbild prägen. Im frühen Mittelalter wurde unter Karl dem Grossen das karolingische Münzsystem eingeführte: 1 Pfund = 20 Schillinge = 240 Pfennige. Diese Währung bestand übrigens in Grossbritannien bis 1971. Der Guldiner oder Guldengroschen war das silberne äquivalent des Goldguldens am Anfang des 16.Jh. Vorläufer des Talers bzw. Reichstalers. Der Guldiner wurde ab 1486 von Sigismund des Münzreichen aus Tirol in Silber geprägt, weil dieser im Besitz einer grossen Silbermine war. Gegen Ende des 16. Jh. wurde mit zunehmendem Handel das Mitführen von Münzen als Zahlungsmittel immer mühsamer und wegen Raubüberfällen gefährlicher und so suchte man nach neuen Lösungen. Namhafte Bankhäuser begannen Wechselgiros auszustellen und mit der Zeit folgten dann die ersten Banknoten. Jede Bank druckte anfänglich ihre eigenen Noten in der regionalen Währung. Dieser Zustand dauerte beispielsweise in der Eidgenossenschaft bis ins Jahr 1881. Danach wurden die Noten ausschliesslich von kantonalen Emissionsbanken herausgegeben. Erst mit der Gründung der Schweizerischen Nationalbank 1907 wurde das bis heute gültige Notensystem eingeführt. Die Banknoten werden seither bei der Firma Orell Füssli AG in Zürich gedruckt. Zum Thema Geldfälschung meinte Kunzmann: ’gefälscht wurde seit eh und je, seit es Geld gibt’ und zeigte dazu ein paar Abbildungen gefälschter Münzen. Was die wenigsten wissen, dass in den USA ständig eine beachtliche Menge an gefälschten Dollarnoten zirkuliert, ohne dass der Staat eingreift. Der Aufwand, sie aufzuspüren, lohne sich nicht, sagen die Behörden. Die moderne Drucktechnik machen die Banknoten jedoch immer sicherer. Eine Schweizer Banknote sei heute absolut unmöglich zu kopieren, meint Kunzmann. Zum Abschluss erläuterte er die vielen Sicherheitsmerkmale auf unseren Banknoten, und alle Teilnehmer konnten sie an ihren eigenen Banknoten mit grossem Erstaunen mitverfolgen. Tanzzahl, Zauberzahl, Wasserzeichen, Farbzahl, Lochzahl, Chamäleonzahl, Glitzerzahl, Kippeffekt, Blindenzahl, Guillochenfarbwechsel – wer kennt schon all diese Sicherheitszeichen! Zusätzlich existieren noch weitere fünf Merkmale, die vor der öffentlichkeit jedoch streng geheim gehalten werden. Da die Antiquarische Gesellschaft Wetzikon im Besitz eines echten alten Zürcher Pfennigs ist, war sie besonders interessiert zu hören, aus welcher Zeit diese Münze stammen könnte. Kunzmann meinte dazu, dass sie etwa in der Zeit zwischen 1405 und 1420 geprägt wurde. Die Stadt habe damals von der Fraumünsterabtei den Münzschlag erhalten. Die Münze zeige die Abbildung einer Fraumünsteräbtissin aber leider nicht – wie wir glaubten - jene von Elisabeth von Wetzikon. Ruedi Kunzmann verstand es, das an sich trockene Thema ‚Münzen’ spannend und illustrativ zu präsentieren und entsprechend angeregt war dann auch die anschliessende Diskussion. (dh) |
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![]() Evolution auf den Punkt gebracht Bild: Hansueli Meili |
18. März 2010 Out of Africa Eine Führung durch das Anthropologische Museum Zur Evolution der Menschheit - Out of Africa 26 Teilnehmer trafen am Abend zur Besichtigung im Museum der Anthropologie der Universität Irchel in Zürich ein. Oberassistent Dr. Schmid führte durch die Ausstellung. Anhand zahlreicher Skelettteile erklärte er ausführlich und höchst spannend die Entwicklungsgeschichte der Menschheit, wie alles vor ungefähr 3½ Mio. Jahren mit den ersten Menschenartigen, dem Australopithecus, im heutigen Afrika begonnen hatte und sich allmählich zu dem entwickelte, was wir heute sind. Anhand ein paar prominenter Merkmale zeigte Schmid, was den Menschen gegenüber seinen „Säugetier-Genossen“ und im Besonderen gegenüber den Affen so speziell und dominant macht. Eine Besonderheit liegt in der Form des Beckengürtels, der einen direkten Einfluss auf die Gliedmassenstellung hat. Diese erlaubt dem Menschen die aufrechte Gangart und die Schnelligkeit und Ausdauer beispielsweise eines Marathonläufers. Hinzu kommt der ausgeprägte Greifreflex, der bei allen Affenartigen gut ausgebildet ist. Nur sie können mit der einen Hand eine Banane ergreifen und sich mit der anderen an einem Ast festhalten. Eichhörnchen haben z. B. diese Fähigkeit nicht. Der Mensch hat diese Fähigkeit zur absoluten Perfektion entwickelt. Man denke nur an die virtuose Fingerfertigkeit eines Pianisten! Und als letztes und wichtigstes Merkmal erwähnt Schmid die Entwicklung des Gehirns. Derweil Menschen- und Affenbabys bei der Geburt in etwa das gleiche Hirngewicht haben - die engen Geburtswege erlauben keine grösseren Schädelformen - beginnt das menschliche Gehirn postnatal bis ca. zum 12. Lebensjahr kontinuierlich bis auf ein Mehrfaches seiner ursprünglichen Grösse zu wachsen und erhebt den Menschen dank seiner Intelligenz zum „höchsten“ Wesen auf dieser Erde. Was er allerdings damit anfängt, ist eine andere Sache! Zum Schluss berichtete Schmid eindrücklich aus seiner aktuellen Tätigkeit über Ausgrabungen in Syrien. Mit geheimnisvoller Miene machte er Andeutungen über eine Jahrhundert-Entdeckung, mit welcher das Institut in den nächsten Tagen an die öffentlichkeit gelangen werde. Nähere Angaben dazu wollte er aber nicht machen. Im Anschluss an die interessante Führung traf man sich mit Dr. Schmid im Restaurant Neubühl zu einem gemütlichen Drink. (dh) |
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8. April 2010 Der Kalte Krieg Wie wir "Geschichte erlebten" Vortrag von Dr. Walter Jakob, Grüt Unter diesem Titel hielt kürzlich der Historiker Dr. Walter Jacob bei der Antiquarischen Gesellschaft Wetzikon im Hotel Drei Linden vor zahlreichem Publikum einen sehr interessanten Vortrag. Er machte eine Rückschau auf den grossen inzwischen „historischen“ Ost-West-Konflikt zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjet Union. Gleichzeitig ermunterte er die Zuhörer, ihre persönlichen Erinnerungen und Erfahrungen mitzuteilen, da einige unter ihnen Zeugen dieser oft sehr dramatischen Zeitepoche waren. In höchst spannender Art schilderte Jacob die verschiedenen Phasen, wie es zum Kalten Krieg kam und wie er dann vor 20 Jahren zu Ende ging. Alles begann mit der Bolschewistischen Revolution in Russland unter der Führung Lenins und seinen Nachfolgern mit dem Ziel, die „Weltrevolution“ im Sinne des Marxismus-Leninismus zu verwirklichen. Diese Absicht veranlasste den Westen, insbesondere die USA, den konsequenten Widerstand gegenüber der UDSSR aufzubauen. Nach dem Tod Stalins 1953 glaubte man zunächst an eine gewisse Entspannung im Ost-West-Konflikt, doch Chruschtschows Ränkespiel und Provokationen machten alle Hoffnungen zu Nichte. Höhepunkt dieser Spannung war sicherlich die Kubakrise, als russische und amerikanische Kriegsschiffe vor Kuba bedrohlich und kampfbereit einander gegenüber lagen. Die Welt stand am Abgrund eines Krieges. Anschliessend fand auf beiden Seiten ein gigantisches Wettrüsten mit atomaren Waffen statt. Im Bewusstsein ihrer mörderischen Zerstörungsgewalt neutralisierten sich die beiden Blöcke derart, dass sie letztlich einsehen mussten, dass dieser Weg zu nichts führen oder dann schlimmstenfalls im Weltuntergang enden würde. Dank der geschickten und weitsichtigen Diplomatie einzelner herausragender Persönlichkeiten, wie u. a. Georges F. Kennan und Paul Nitze, konnte verhindert werden, dass es nie zu einem eskalierenden Konflikt zwischen den beiden Protagonisten kam. Michail Gorbatschow war es, der dank seiner weisen Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestrojka (Umbau) die Sowjet Union aus ihrem Machtstreben herausführte und wesentlich zur Entspannung im Ost-West-Konflikt beitrug. Bekanntlich führte dies letzten Endes zur Auflösung des gigantischen Sowjetreiches. Es bedeutete auch das Ende der Bolschewistischen Utopie. Gorbatschow erhielt 1990 für seine Erfolge den Nobelpreis, ein Jahr später wurde er Opfer seiner eigenen Friedenspolitik und wurde als Ministerpräsident abgesetzt. Aber dank ihm kam es zum Fall der Berliner Mauer, zum Ende des Eisernen Vorhangs und zum Ende des ‚Kalten Krieges’. Zum Schluss seines Vortrages zeigte Dr. Jacob ein Bildnis von Karl Marx mit dem Untertitel: „Proletarier aller Länder – vergebt mir!“ Viele Fragen aus der faszinierten Zuhörerschaft über die verschiedensten Konfliktherde des 20. Jh. wusste Walter Jacob meisterhaft zu beantworten und bewies, dass er als Historiker über ein sehr fundiertes Wissen verfügt und dieses auch spannend und umfassend vermitteln kann. |
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9. Mai 2010 Frühjahrsausflug Besuch des mechanischen Musikmuseums in Lichtensteig Fredy lässt die Puppen tanzen Als Fredy Künzle noch ein Dreikäsehoch war, wurde das Haus seiner Grosstante in Wildhaus 1961 elektrifiziert. Da nahm Klein-Fredy die nicht mehr gebrauchten Petrollampen und andere überflüssig gewordene Haushaltgegenstände an sich. Er spürte, dass es galt, etwas zu bewahren, das sonst endgültig vorbei wäre. Mit 10 begann er dann Grammophone und Spieldosen zu sammeln, „weil das nicht so tote Gegenstände waren wie die Petrollampen“, wie sich Künzle heute erinnert. Damit war der Anfang gemacht. Der Toggenburger absolvierte eine Lehre als Maschinenmechaniker und verschrieb sich schon in jungen Jahren mehr und mehr den Musikautomaten, Orchestrions, Dreh- und Chilbiorgeln, die teilweise von lebensgrossen Puppen betrieben werden. Vor 35 Jahren gründete er sein mechanisches Musikmuseum in Lichtensteig und pflegt es seither mit grosser Hingabe. Davon konnte sich eine grosse Schar von Mitgliedern der „Antiquarischen“ bei ihrem Frühlingsausflug überzeugen. Ein grosser Teil der über 30 Exponate ist auch heute noch in Betrieb und sorgte, zusammen mit den ebenso informativen wie witzigen Kommentaren der beiden Führer, für beste Unterhaltung. Während sich die Frauen schnell im Takt der ihnen oft aus jüngeren Jahren bekannten Melodien wiegten, interessierten sich die Männer eher für die Technik und wollten hinter die Kulissen sehen. Alle kamen auf ihre Rechnung und stärkten sich danach im nahen Café, bevor der Präsident wieder das Steuer in die Hand nahm und die gut gelaunte Schar über die Hulftegg heimwärts fuhr. (WR) |
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